Anlauf Nr. 2 von 2011 bis 2017

Nachdem Scheitern des ersten Entwicklungsanlaufes von 2008 – 2009, beschloss ich im Jahr 2010, erneut auf Agentursuche zu gehen. Jetzt noch kritischer als zuvor.

Die Suche.

Die Suche gestaltete sich – wie in der Vergangenheit – schwierig, dass Interesse an größeren Aufträgen bei Agenturen in Deutschland war sehr zurückhaltend. Somit entschied ich mich, meinen Blick ins Ausland zu wenden. Unter dem Stichwort „Offshore Software Development“ stieß ich auf die Firma DRC Systems aus Ahmedabad in Indien.

Softwareentwicklung aus Indien

Zwar hatte ich im ersten Entwicklungsanlauf bereits ein CMS (Content Management System) vorgeschlagen, davon riet man mir jedoch in 2008 ab. In 2011 war das CMS Typo3 in aller munde und deshalb traf es sich auch gut, dass das angesprochene Softwareunternehmen ein Spezialist für Typo3 war bzw. sein sollte.

Referenzen

Die indische Agentur hatte mir Referenzprojekte genannt. Diese Projekte waren nicht perfekt, aber man hatte schon einiges auf die Beine gestellt.

Team

Das Unternehmen hatte damals wohl um die 50 Mitarbeiter und so konnte man mir gleich ein ganzes Team anbieten. Dazu zählten Projektleiter, Teamleiter, Senior-Entwickler und jemand der die Qualität überwachen sollte. Das Ganze machte bis dahin einen professionellen Eindruck.

Pflichtenheft

Beim ersten Anlauf in 2008 hatten wir ein sehr kurzes Pflichtenheft. Das stellte sich jedoch später als Fehler heraus.

In 2010 erarbeitete ich für die Anfrage eine detaillierte Funktionsliste. In einer Zeit von mehreren Monaten erstellte ich knapp über 180 Seiten.

Die Agentur aus Indien prüfte die Funktionsliste sehr genau. Danach erhielt ich ein Angebot. Nach Prüfung schlossen wir einen rund 200 seitigen Vertrag.

Projektdaten

Projektstart: 15. Januar 2011
Projektziel: 30. August 2011
Ziel spätestens bis: 30. November 2011

In rund 7 Monaten sollte das Projekt auf Basis von Typo3 entwickelt werden.

Projektverlauf 2011 – 2017

Als es dann endlich – im zweiten Anlauf – los ging, war ich aufgeregt und freute mich, dass der Traum APOOS endlich realisiert werden würde. Pünktlich und hoch motiviert starteten die Entwickler mit den ersten Arbeiten.

Leider stellte sich schnell heraus, dass man das Konzept gar nicht verstanden hatte. So wurde zwar munter alles umgesetzt, was man auf Screens sah. Leider bezog sich dies nur auf das Design und nicht auf die Funktionen. Weiterhin wurde kaum ein Bezug zwischen Funktionsbeschreibung und Screen hergestellt.

Nachdem ich den Auftrag erteilt hatte, dachte ich mich auf andere Dinge konzentrieren zu können. Leider wurde deutlich ohne detaillierte Screens können die Entwickler aus Indien nicht arbeiten. Der Projektleiter kümmerte sich kaum. Der Teamleiter war mit anderen Projekten beschäftigt und hatte somit zu wenig Zeit für APOOS. Deshalb sollte ich Screens anfertigen, nach denen die Entwickler arbeiten können.

Screens

Zu diesem Zeitpunkt wollte ich ursprünglich andere Projekte weiter ausbauen. Nun mussten jedoch Screens erstellt werden. Was man nicht alles für die Erfüllung eines Traums macht. Mehr als 60 Listen erstellte ich, alle mit Screens und Erklärungen. Insgesamt waren es um die 400 Seiten und hunderte von Screens.

Beispiel für einen von hunderten von Screens

Die Arbeit zog sich dahin und wir waren schnell in 2012. Damit wir eine Übersicht über den Arbeitsfortschritt hatten, gab es auf jeder Liste Felder für „erledigt“ (englisch „Done“) und „nicht erledigt“ (englisch „Not done“).

Qualität

Trotz dieser umfangreichen Unterstützung gab es Probleme. So erhielt ich Listen zurück, in denen 100% Dones (erledigt) standen. Anfänglich jedoch 70 – 90% aller „Dones“ nicht erledigt waren.

Es ist so, dass die indischen Entwickler immer „Done“ geschrieben haben, wenn sie es nicht verstanden haben. Wenn ich dann zurück schrieb „not done“, kam häufig „Not understand“ und das trotz Screens und detaillierter Beschreibung. Teilweise bin ich verzweifelt über die schlechte Auffassungsgabe.

Die Listen wurden so, etliche Male hin und her geschickt. Bei einer kleinen Funktion mit zwei Schaltflächen, musste ich vier mal schreiben, bis die Schaltfläche endlich alle vier Funktionszustände hatte. So wurden selbst Kleinigkeiten zu einer sehr intensiven Arbeitseinheit.

Fast fertig

Nach zwei bis drei Jahren sollte das Projekt endlich fertig gestellt werden. Grund genug, die Funktionen auf dem Entwicklungsserver zu testen. Leider musste ich feststellen, dass zahlreiche Funktionen nicht liefen. Selbst die Nutzerregistrierung war fehlerhaft.

In der Entwicklungszeit gab es verschiedene Personalwechsel. Somit hatte ich die Hoffnung, es sei alles besser geworden. Ich fragte den aktuellen Teamleiter, ob alles getestet wurde und ob die Registrierung funktionieren würde. Er bestätigte dies, obgleich diese nicht funktionierte. Neben den zahlreichen Bugs, war das System auf Typo3 in der Version 4 umgesetzt worden. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch schon keine Sicherheitsupdates mehr und eine neue Version war schon längst auf dem Markt.

Nochmal von vorn.

Leider musste ich feststellen, dass das Projekt nicht lauffähig war. Ein Problem war, das gegenseitige überschrieben von Inhalten. Der Admin-Bereich fehlte fast vollständig.

Doch es sollte alles besser werden. Die ganzen Bugs sollten repariert werden. Typo3 auf die aktuelle Version aktualisiert werden. Dieser Vorgang sollte in wenigen Monaten abgeschlossen sein.

Nach rund einem Jahr soll zumindest das Upgrade auf die neuere Typo3 Version fertig gewesen sein. Die weitere Entwicklung wurde auf einem Github fortgesetzt, den ich nicht einsehen konnte. So soll es in 2016 Fortschritte gegeben haben, jedoch wurden diese nicht mehr auf den Entwicklungsserver hochgeladen. Ich wurde immer wieder vertröstet.

Das Ende.

Nach mehreren Aufforderungen, mir das Projekt zu liefern, kam keine Reaktion mehr. Letztendlich teilte mir ein Entwickler mit, dass die Arbeiten Anfang 2017 eingestellt wurden.

Ein trauriges Ergebnis, nachdem ich rund 4.000 bis 5.000 Stunden meiner Zeit und dem Geld, welches ich hier investiert hatte. Da ich dies bereits Ende 2016 befürchtete, kam dieses Ergebnis nicht völlig überraschend, die Enttäuschung war dennoch groß.

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